Gemäß der Definition des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge handelt es sich bei Migration um Wanderungsbewegungen von Menschen, die ihren Lebensmittelpunkt innerhalb eines Landes (Binnenmigration) oder über dessen Staatsgrenzen hinweg (internationale Migration) verlegen. Dies geschieht oftmals aufgrund von politischer, sozialer oder wirtschaftlicher Not.

Laut einem aktuellen Bericht von ZDFinfo vom 08. September 2016 hatte 2014 jeder fünfte Deutsche einen Migrationshintergrund. Es stellt sich daher die Frage, wie es zu dieser Vielfalt an verschiedenen Migrationshintergründen gekommen ist.

Von 1816 bis 1914 wanderten etwa 5,5 Millionen Deutsche aufgrund von Armut und Arbeitslosigkeit in die USA aus. 

Ab 1880 kam es zur Industrialisierung im Westen, was zu einem erhöhten Bedarf an Arbeitskräften führte. So kamen rund 1,2 Millionen Wanderarbeiter ins Deutsche Reich. 

Ab 1933 bis einschließlich 1945 beherrschten die Nationalsozialisten und der Zweite Weltkrieg Deutschland. Zu dieser Zeit verließen 280 000 Juden das Land und suchten weltweit nach einer neuen Heimat. Während dieser Zeit kamen die sogenannten „Displaced Persons“ (heimatvertriebene Menschen) nach Deutschland. Es handelte sich bei ihnen hauptsächlich um 12 Millionen Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene aus ganz Europa.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs flohen 13 Millionen Vertriebene aus ehemals deutschen Gebieten in den Westen. 

In der Nachkriegszeit kehrten nahezu alle „Displaced Persons“ in ihre Heimat zurück. Von ehemals 12 Millionen heimatvertriebenen Menschen lebten 1950 nur noch 150 000 von ihnen in der BRD.

Zur Zeit des Wirtschaftswunders zwischen 1954 und 1973 emigrierten circa 14 Millionen Gastarbeiter nach Deutschland.

Am 23. November 1973, an dem eigentlich nach 20 Jahren das Anwerben von Arbeitskräften aus dem Süden offiziell gestoppt werden sollte, wurde aus der BRD eher aus Versehen ein Einwanderungsland. Der Stopp gilt bis heute.

Zum Zeitpunkt des Anwerbestopps arbeiteten jedoch bereits 500 000 Türken, 470 000 Jugoslawen,        425 000 Italiener, 270 000 Griechen, 185 000 Spanier und 65 000 Portugiesen in West-Deutschland. Etwa 2,6 Millionen von ihnen haben Deutschland nicht wieder verlassen und holten daher ihre Familien nach. 

Zur gleichen Zeit verließen 2,7 Millionen Bürger die DDR in Richtung Westen. Nachdem die Mauer bereits errichtet war, erreichten weitere 700 000 Ost-Deutsche die westliche Seite der Mauer. 

Nach der Wiedervereinigung 1991/92 gingen in Deutschland 694 303 Asylanträge ein. Dreiviertel davon kamen aus Ost- und Südosteuropa.

Ab 1990 bis einschließlich 2014 kam es zur Einwanderung von etwa 2,5 Millionen (Spät-)Aussiedlern. Der Großteil von ihnen (2,1 Millionen) stammte aus der ehemaligen Sowjetunion, 250 894 aus Polen und 187 990 kamen aus Rumänien nach Deutschland.

So entstand über Jahrhunderte ein Land, in dem Menschen mit unterschiedlichsten Herkunftsländern und Migrationshintergründen Seite an Seite zusammenleben und so voneinander lernen und profitieren. 

In diesem P-Seminar „Migration? - Das betrifft uns alle!“ wollen wir zeigen, dass Migration in Deutschland schon immer da war und in einer langen Geschichte unser Land geprägt hat. Außerdem war es uns ein Anliegen, möglichst viele Beteiligte der aktuellen Flüchtlingssituation zu Wort kommen zu lassen, sowie viele verschiedene Blickwinkel zur Migration in Deutschland aufzuzeigen. Ebenfalls wollen wir Einblicke in das Leben von SchülerInnen unseres Seminars gewähren, die selbst einen Migrationshintergrund haben.

Autorin: Kathrin Langenberger

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