„Ihr seid die Elite der deutschen Jugend!“-

In diesem Bewusstsein wurde der heute 90-jährige Gerd Plorin an einer sogenannten Nationalpolitischen Erziehungsanstalt, kurz Napola, im Geiste des Nationalsozialismus er­zogen.

Am 8. Juli 2019 erzählt er im Rahmen der schulinternen Lehrerfortbildung „Erziehung im Nationalsozialismus – ein Zeitzeugengespräch“ von seinen Erfahrungen als Kind in der NS-Zeit, die mit Hitlers Ernennung zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 beginnt. OStRin Susanne Beer und OStRin Elisabeth Ringlstetter hatten zu diesem Fortbildungsnachmittag eingeladen.

Als Plorins Grundschulzeit in Oldenburg zu Ende geht, erhalten seine Eltern ein Schrei­ben, in dem ihnen mitgeteilt wird, dass ihr Sohn als grundsätzlich geeignet für die Ausbil­dung an einer Napola eingeschätzt wird. „Das war eine Auszeichnung“, berichtet Plorin, zumal seine Eltern nicht Mitglieder der NSDAP waren.

Bevor für ihn die eigentliche Schulzeit an der mehrere hundert Kilometer entfernten Napola in Naumburg an der Saale beginnen kann, müssen Plorin und die anderen 10-Jährigen zweiwöchige Aufnahmeprüfungen in Schloss Plön überstehen. Dazu gehören auch Mutproben, die z.B. darin bestehen, aus dem 2. Stock in ein aufgespanntes Sprungtuch zu springen.

Die Jahre an der Napola sind für Plorin einerseits davon geprägt „geknechtet“ und „geschliffen“ zu werden, andererseits wird den Jungen immer wieder bewusst gemacht, dass sie „die Elite der deutschen Jugend“ seien und darauf stolz sein können.

Die Außenanlagen der Schule hat Plorin in positiver Erinnerung: „Wir hatten alle Möglich­keiten“, so gab es in Naumburg eine Leichtathletikanlage, eine Eisbahn, einen Reitplatz und sogar Segelflugzeuge. Außerdem hebt Plorin immer wieder die Qualität des Unter­richts und der Bildung hervor. Freizeit kennt er als Napola-Schüler jedoch nicht – jede Mi­nute des Tages ist vorab geplant.

Welch verbrecherischem System diese Jungen später dienen sollten, begreifen Plorin und seine Mitschüler erst nach dem Ende des 2. Weltkrieges. Plorin ist zu diesem Zeitpunkt 16 Jahre alt.

Am Ende des Zeitzeugengesprächs wendet sich Gerd Plorin noch einmal direkt an die an­wesenden Lehrkräfte, die gebannt an seinen Lippen hängen. Er äußert sich besorgt über aktuelle politische Strömungen in Deutschland und die Parolen, die fast schon salonfähig geworden sind. Er ist davon überzeugt, dass aus der Geschichte eine Verantwortung der Deutschen für die Zukunft erwächst. Daher appelliert er an seine Zuhörer: „Wehret den Anfängen!“

OStRin Susanne Beer

(Foto: Dieter Kraus)

Die Nutzung digitaler Medien gehört für unsere Schülerinnen und Schüler zu ihrem Alltag, sei es in der Schule oder im privaten Bereich. Ein Großteil der Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 7 nutzte daher auch dieses Jahr bereitwillig das Angebot, im Rahmen des Wahlunterrichts im Fach Textverarbeitung/Informations-technische Grundbildung das Zehnfingerschreiben am Computer zu erlernen. Durch die Teilnahme am Bayerischen Schülerleistungsschreiben, das alljährlich vom Bayerischen Stenografenverband in Zusammenarbeit mit dem Staatsministerium für Unterricht und Kultus ausgeschrieben und durchgeführt wird, wurde ihnen zudem die Möglichkeit eröffnet, für ihre Fertigkeiten ein Zertifikat zu erwerben. Zusätzlich waren unter den Wettschreibern auch einige Teilnehmer, die bereits in den Vorjahren das 10-Finger-System erlernt hatten und zwischenzeitlich ihre Anschlagzahl weiter erhöhen konnten. In der Sparte „Texterfassung am PC“ konnten sie sich in einer 10-Minuten-Abschrift zum Thema „Ballonfahren im Winter: Schweben und genießen“ bayernweit in Bezug auf Schreibsicherheit und -geschwindigkeit messen. Alle teilnehmenden Schülerinnen und Schüler schafften die geforderte Mindestanschlagzahl, bei den meisten reichten die Ergebnisse auch hinsichtlich der Fehlerzahl zum Bestehen. Nahezu die Hälfte aller Schreiber konnte sogar hervorragende bzw. sehr gute oder gute Ergebnisse erzielen. Als Anerkennung für ihre Leistung wurde ihnen eine Urkunde des Bayerischen Stenografenverbands überreicht, so dass sie für ihr Engagement über den Pflichtunterricht hinaus und den zusätzlichen Zeitaufwand belohnt wurden.

Wir freuen uns über den gezeigten Einsatz und gratulieren den erfolgreichen Wettschreibern sehr herzlich!

Anita Baumgartner

Elisabeth Rembeck

Am 7. Juni 2019 las der in Münster lebende Autor Dirk Reinhardt aus seinem Jugendroman „Edelweißpiraten“ für alle 9. Klassen. Im 1. Teil der 90-minütigen Lesung widmete sich Reinhardt ganz dem historischen Hintergrund und einzelnen Passagen des Romans. So erfuhren die Schülerinnen und Schüler, dass es sich bei den Edelweißpiraten um eine Jugendorganisation zur Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland handelte, die auf ganz eigene Art nach Freiheit strebten und sich gegen das Regime auflehnten. Die Mitglieder stammten hauptsächlich aus der Arbeiterschaft. Sie grenzten sich durch ihren recht informellen eigenen Kleidungsstil – sie trugen lange Haare und lässige Kleidung – von den Einheitsuniformen der Hitlerjugend ab, mit der sie sich des Öfteren Straßenschlachten und Massenprügeleien lieferten. Oberste Priorität hatte die Freiheit, die sie bei geheimen Treffen oder Ausflügen feierten. Dass das Regime sich derartige Provokationen nicht lange gefallen ließ, steht außer Frage. Bald bekam die HJ entsprechende Unterstützung von Polizei, SS und Gestapo, und die Edelweißpiraten wurden verfolgt. Obwohl sie zunächst keine politische Organisation waren, entwickelten sie allmählich ein politisches Bewusstsein. So verteilten sie Flugblätter, schrieben Parolen an Hausmauern oder versuchten, Züge mit Munition zu stoppen. Wurden sie gefasst, drohten Folter, der Abtransport ins KZ oder gar die Hinrichtung vor den Augen ihrer Mütter.
Neben historischen Fakten und Tatsachen bietet der Roman auch einige interessante Themen und Motive. So zeigen die Jugendlichen beispielsweise Mut und Entschlossenheit, sich selbstbestimmt gegen Unfreiheit und Unrecht einzusetzen. Die besondere Erzählstruktur des Romans, in dem zwei Ich-Erzählungen ineinander verflochten sind, bietet dabei ein außergewöhnliches Leseerlebnis. Der ehemalige Edelweißpirat Josef Gerlach erzählt dem 16- jährigen Daniel, der Gerlach als alten Mann kennenlernt, seine Geschichte. Er überlässt ihm dazu seine Tagebucheinträge aus der Zeit des Nationalsozialismus. In Gesprächen mit dem alten Mann erfährt Daniel noch mehr über diese Zeit, schließlich erkennt er am Ende, was die Edelweißpiraten mit ihm und seiner eigenen Familiengeschichte zu tun haben.

Sichtlich begeistert vom Vortrag und der Thematik beteiligten sich die Schülerinnen und Schüler aktiv an der Frage- und Diskussionsrunde, die den 2. Teil der Lesung umfasste. Dirk Reinhardt erklärte dabei z. B. ausführlich seinen Beruf und seine Arbeit. So sieht er seine Aufgabe als Jugendbuchautor darin, junge Menschen für das Lesen und für Literatur zu begeistern. Dabei beschäftigt er sich gerne mit spannenden und witzigen Themen, aber auch mit Themen, die die Jugendlichen zum Nachdenken auffordern. Ferner fließen in seine Bücher auch eigene Erfahrungen und Erlebnisse ein, so hat der Autor z. B. für das Buch „Edelweißpiraten“ umfangreiche Recherchen unternommen und dabei auch mit vielen Zeitzeugen gesprochen. Insgesamt war es eine packende und informative Veranstaltung, die als eine Bereicherung für den Deutsch- und Geschichtsunterricht der 9. Klassen gesehen werden kann. Die Lesung wurde durch eine großzügige Spende des Fördervereins des Gymnasiums bezuschusst, dem an dieser Stelle nochmals herzlich dafür gedankt sei.

StRin Bettina Hiergeist

 

Ein Poetry-Slam ist ein literarischer Vortragswettbewerb, bei dem selbstgeschriebene Texte innerhalb einer bestimmten Zeit einem Publikum vorgetragen werden. Dies erläuterte die Leiterin des Workshops, die Lehramtsstudentin Teresa Reichl, zuerst. Die Referentin spricht dabei aus Erfahrung, denn sie ist bereits seit Jahren eine erfolgreiche Slamerin, was nicht zuletzt ihre Teilnahme am Finale der Deutschen Poetry-Slam-Meisterschaften vor einigen Jahren zeigt.

Am Mittwoch, den 29. Juni, fand im Theaterraum des Gymnasiums Dingolfing der erste Poetry Workshop statt. Nicht nur Schüler*innen des Gymnasiums, sondern auch von anderen Schulen im Landkreis nahmen an diesem teil. Auch altersmäßig war die Gruppe mit 9.-Klässlern bis hin zu Ehemaligen gut gemischt, sodass es zu einem munteren Austausch zwischen den Schüler*innen kam. Denn, wie die Leiterin des Workshops, Teresa Reichl, erklärt: Jede*r kann an einem Slam teilnehmen, denn erlaubt ist jede Art von Text unter der Voraussetzung, dass er selbst geschrieben wurde.

Der Workshop wurde fortgeführt mit Stimmübungen, welche gleichzeitig auch die Stimmung auflockerten und jede*n für die späteren Schreibübungen vorbereiteten. Es machte allen einen riesigen Spaß und so manche*r hatte bereits vom vielen Lachen Bauchweh.

Weiter ging es mit einigen ersten Schreibübungen, wobei sich z.B. jede*r eine neue, verrückte Superkraft ausdenken und einen Tagesablauf beschreiben sollte, in dem diese Kraft zum Einsatz kommt. Hier entstanden beispielsweise ein höchst amüsanter „Mir-ist-alles-egal-Man“, ein etwas schräger, aber sympathischer „Muffin-Producer“ oder der alles in Beschlag nehmende „Klausuren-Man“. Die mutigen Vortragenden konnten schon die ersten Lacher einheimsen und bekamen so einen kleinen Vorgeschmack auf einen „richtigen“ Poetry-Slam.

Bei einer weiteren Übung entstanden absurde neue Dinge wie eine „Apfeluhr“ oder eine „Shoppingspinne“. Ein fingierter Wikipedia-Artikel bzw. eine Gebrauchsanweisung erklärten anschließend, was man sich unter diesen merkwürdigen Dingen vorzustellen hat. Auch hier wurde wieder viel gelacht und es machte allen großen Spaß.

Die sogenannte Winterübung war die letzte und auch kniffeligste Schreibübung. Zuerst sammelte die Gruppe in einem Brainstorming möglichst viele Begriffe zum Thema „Winter“ auf einer Tafel. Anschließend sollte ein Text über den Winter geschrieben werden, indem hinterhältigerweise alle diese Wörter nicht vorkommen durften. Nach einer kurzen Phase der Verzweiflung gelangen aber trotzdem – oder gerade deswegen – einige witzige und poetische Texte.

Man verabschiedete sich herzlich und alle waren sich einig, dass der Poetry-Slam im Juli ein großer Spaß und voller Erfolg werden wird. Dieser findet am Mittwoch, den 3. Juli, um 19 Uhr in der Aula des Gymnasiums Dingolfing statt. Jede*r ist dazu herzlich eingeladen. Falls Interesse an einer Teilnahme besteht oder sich noch weitere Fragen ergeben sollten, kann man sich einfach an Frau Fischer wenden oder eine E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! schreiben.

Franziska Sänftl, Julia Fischer-Döring

"Sollte die Butter in Bayern blau gefärbt werden?" Diese Scherzfrage stellte die Fachreferentin für das Fach Deutsch in Niederbayern, Frau StDin Sabine Vaas, den 21 Teilnehmerinnen und Teilnehmern der regionalen Lehrerfortbildung "Debattieren unterrichten - Debattieren bewerten" zu Beginn der Veranstaltung und verdeutlichte damit exemplarisch den Aufbau einer Debatte. Im weiteren Verlauf vermittelte die Referentin sehr praxisbezogen, wie man Schülerinnen und Schülern die Kunst des Debattierens beibringt.  Zunächst wurden spielerische Einstiegsmethoden, die Themenfindung und die einzelnen Phasen der Debatte aufgezeigt und immer wieder in praktischen Übungen ausprobiert. Anschließend führten die Teilnehmer Übungsdebatten zu verschiedenen Themen durch und gaben sich gegenseitig detailliertes Feedback. Darüber hinaus wurden Bewertungskriterien genannt  und praktische Tipps für die Durchführung einer Debatte als mündliche Schulaufgabe gegeben; überdies wurde der Wettbewerb "Jugend debattiert" vorgestellt.

Alle Anwesenden  konnten viele wertvolle Anregungen mit nach Hause nehmen, die in Zukunft sicherlich den Unterricht bereichern werden. Somit hatte sich der teilweise sehr weite Anfahrtsweg, den manche Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Kauf genommen hatten, auf jeden Fall gelohnt!

Ein herzliches Dankeschön an Frau Vaas für ihre Expertise und die kurzweilige und anregende Gestaltung der Veranstaltung sowie an Frau OStRin Elisabeth Ringlstetter, die sich als Fachbetreuerin Deutsch um die Vorbereitungen vor Ort gekümmert hatte und für einen perfekten organisatorischen Ablauf gesorgt hat. 

Elisabeth Rembeck